Was zeichnet diesen Beruf aus?
Welche Eigenschaften besitzt eine bestimmte Farbe oder ein Lack? Und welche Inhaltsstoffe sind dafür verantwortlich? Wie muss ein Lack beschaffen sein, der speziellen Anforderungen gerecht werden soll? Wie kann ich einen vorgegebenen Farbton perfekt nachstellen? Solche Fragen beschäftigen Lacklaborantinnen und Lacklaboranten während ihrer Ausbildung und natürlich auch danach.

Das Gewicht der Flugzeuge ist von großer Bedeutung für die Reichweite und Transportkapazität. Daher wird beim Bau von Flugzeugen Gewicht gespart, wo es nur geht. Deshalb müssen auch die Flugzeuglacke extrem leicht sein. Für die Lackierung einer Boing 747 werden etwa 2.000 bis 2.500 Liter Lack benötigt. Bereits wenige Kilo mehr oder weniger können sich auf die Wirtschaftlichkeit des Flugbetriebs auswirken. Je geringer die Schichtdicke des Lacks, die in Schritten von 0,1 Gramm pro Quadratzentimeter gemessen werden, desto weiter kann ein Flugzeug mit der gleichen Menge Treibstoff fliegen oder mehr Personen befördern.
Flugzeuglacke müssen den Metallkörper eines Flugzeuges vor extremen äußeren Einflüssen schützen. Dazu gehören salzige und saure Niederschläge, starke UV-Strahlung in hohen Flughöhen und Schwankungen der Außentemperatur zwischen 50 °C bis –55 °C. Da der Metallkörper aber auch von innen unempfindlich gegenüber Kondensationsflüssigkeit, aggressiven Chemikalien, Öl, Treibstoff und Enteisungsmitteln sein muss, werden Flugzeuge auch von innen lackiert. Dabei wird im Vergleich zur glatten Außenhaut viermal so viel Lack verbraucht.
Eine Flugzeuglackierung hält in der Regel zwischen fünf und sieben Jahren, bei guter Pflege auch schon einmal zwölf Jahre. Auch der Korrosionsschutz muss über diese langen Zeiträume hinweg allerhöchsten Ansprüchen gerecht werden. Eine Herausforderung für die Lackindustrie besteht in vielen neuen, leichten Materialien, die im Flugzeugbau mehr und mehr Anwendung finden. Ziel ist es, Lacke zu entwickeln, die auf möglichst vielen Untergründen zugleich verwendet werden können, damit pro Flugzeug nur wenige verschiedenen Lacke verarbeitet werden müssen.

Denn Experten der Oberflächenbehandlung und -veredelung sind gefragt. Mit den Studiengängen Chemieingenieurwesen/Farbe-Lack-Umwelt (Esslingen) und Oberflächen- und Werkstofftechnik (Aalen) gibt es bereits bereits einschlägige Bachelorstudiengänge. Damit ist die Karriereleiter jedoch längst nicht zu Ende. Wer sich weiter spezialisieren möchte, kann sein Studium mit einem dreisemestrigen Masterstudium in "Angewandter Oberflächen- und Materialwissenschaften" fortsetzen.
Der Masterstudiengang "Angewandte Oberflächen- und Materialwissenschaften" orientiert sich an den aktuellen Entwicklungen der Industrie. Europäische Hochtechnologie-Produkte haben weltweit Erfolg. Besonders die Eigenschaften der Oberfläche werden dabei immer wichtiger. Neben den klassischen Aufgaben wie Korrosionsschutz oder Chemikalienbeständigkeit entstehen neue, innovative Anforderungen, z. B. Selbstheilung, leichte Reinigungsfähigkeit oder Reibungsminderung. Diese Anforderungen können nur durch ein Aufheben der in der Vergangenheit vorhandenen Trennung zwischen organischen Beschichtungen (Lackierung) und Verfahren zum Aufbringen metallischer und anorganischer Überzüge erfüllt werden. Ingenieure müssen hierfür umfassend und in der Tiefe ausgebildet werden.
Studium verbindet daher die beiden Wissensgebiete "Materialien und ihre Eigenschaften“ und „Grenzflächen- und Oberflächentechnologie". Neben speziellem Fachwissen geht es in dem Studium auch um interdisziplinäre Arbeitsweisen wie z. B. Produktmanagement, wissenschaftliches Denken und Verständnis für komplexe Zusammenhänge.
Das Master-Studium zum zukünftigen Spezialisten der Oberflächenveredelung umfasst drei Semester. Das Wintersemester findet an der Hochschule Esslingen, das Sommersemester an der Hochschule Aalen statt. Die Master-Arbeit kann an beiden Hochschulen aufgenommen werden oder in einem Betrieb der Branche.
Weitere Informationen über den Studiengang und die Studieninhalte unter www.hs-esslingen.de

Jede Farbe ist anders
Im Lacklabor prüfen sie die Rohstoffe, die für die Herstellung eines bestimmten Produkts in Frage kommen, auf ihre Qualität und Verwendbarkeit, beispielsweise für eine neue Farbe. Sie entwockeln neue Rezepturen, die exakt für den Einsatz auf speziellen Untergründen wie Holz, Metall, Kunststoff oder Mauerwerk zugeschnitten sind. Dabei müssen sie berücksichtigen, ob der Lack mit Rolle, Pinsel oder Spritzpistole aufgetragen und welchen Einflüssen, wie Feuchtigkeit, UV-Strahlung oder mechanischen Belastungen, die Lackierung am Ende standhalten soll. Sie müssen auch in der Lage sein, die oben genannten Arbeitsgeräte fachgerecht zu bedienen.

Den richtigen Ton treffen
Lacklaborantinnen und Lacklaboranten lernen während ihrer Ausbildung eine ganze Reihe von Prüfmethoden und Verfahren für Farben und Lacke kennen: von der pH-Wert-Bestimmung, der Dichte-Berechnung, Messungen der Viskosität bis hin zu mechanischen Prüfungen, bei denen getestet wird, wie belastbar und elastisch die Produkte sind.
Manchmal müssen auch Sonderfarbtöne für bestimmte Kunden exakt nachgestellt werden, eine besondere Herausforderung für das Auge. Ebenso wichtig ist das Wissen um die chemischen und physikalischen Eigenschaften und das ZUsammenspiel der verschiedenen Inhaltsstoffe, wie Bindemittel, Pigmente, Lösemittel und Additive. Hier kommen auch Computer und Messgeräte zum Einsatz, mit deren Hilfe Farbtöne ganz genau gemessen werden können.
Voraussetzungen
Abitur oder guter Realschulabschluss
Am Ende zählt die Qualität
Ein großer Teil der Arbeit von Lacklaborantinnen und Lacklaboranten findet im Labor statt. Aber schon während der Ausbildung lernst du den gesamten Produktionsbetrieb kennen und knüpfst Kontakte zu deinen Kollegen aus anderen Bereichen. Denn der intensive Austausch mit den Kollegen ist der Schlüssel zum Erfolg. Echtes Teamwork ist gefragt, wenn beispielsweise gemeinsam mit den Chemikanten geplant werden muss, wie sich Versuchsanordnungen aus dem Lacklabor auf die großtechnische Produktion übertragen lassen.
Die richtige Mischung finden
Die Entwicklung und Produktion von Farben und Lacken ist ein spannender Prozess, an dem Lacklaboranten von Anfang bis Ende beteiligt sind, von der Prüfung der Rohstoffe über die genaue Dosierung der Inhaltsstoffe bis hin zur kontinuierlichen Qualitätskontrolle der fertigen Produkte, die an die Kunden ausgeliefert werden sollen. Die Entnahme von Produktproben, ihre Analyse und die Dokumentation der Ergebnisse mit Hilfe des Computers gehören ebenso zum abwechslungsreichen Berufsalltag wie präzise Farbtonmessungen oder die Durchführung chemischer und physikalischer Prüfverfahren.
Ausbildungsdauer
Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre. Bei guten Leistungen ist eine Verkürzung der Ausbildungszeit um ein halbes Jahr möglich.

Interessante Perspektiven
Lacklaborantinnen und Lacklaboranten arbeiten nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung in Unternehmen, die Lacke entwickeln und herstellen, bei Rohstoffherstellern, aber auch in wissenschaftlichen Instituten. Nach der Ausbildung eröffnen sich aber auch verschiedene Möglichkeiten für die weitere berufliche Entwicklung. So können Lacklaboranten eine Ausbildung zum Lacktechniker oder Industriemeister Fachrichtung Lack anschließen. Wer die entsprechenden Bildungsvoraussetzungen erfüllt, kann sich auch für ein Studium zum Bachelor oder Master of Science entscheiden, um beispielsweise Lackingenieur zu werden.
Schwerpunkte in der Ausbildung
- Entwicklung und Herstellung von Farben und Lacken
- Produktkontrolle und Qualitätssicherung
- Anwendungstechnik
- Responsible Care® (Verantwortung für die Umwelt)
- Physikalische und chemische Prüfverfahren
- Laborbezogene Informationstechnik



