Der Sprung ins kalte Wasser: Vom Studium in die Praxis

Wie der Lackingenieur Daniel Förster nach seinem Studium an der HS Esslingen den Arbeitsalltag als Entwickler bei einem Hersteller von Pulverlacken in Bensheim erlebt. Eigentlich wollte Daniel Förster Chemie studieren. Aber nachdem ihm Freunde erzählt hatten, dass dort vor allem Theorie gelehrt werde, wählte er doch lieber einen praxisorientierteren Studiengang. Von der Ausbildung Chemieingenieur mit dem Schwerpunkt Farbe Lack Umwelt an der Hochschule Esslingen erhoffte er sich einen größeren Bezug zum „wirklichen“ Leben.

Größere Umstellung als gedacht
Jetzt arbeitet der 26jährige seit rund einem Jahr als Entwickler von Pulverlacken in Bensheim und muss sich jeden Tag mit ganz praktischen Dingen beschäftigen. „Der Übergang aus dem Studium in die Berufspraxis war heftiger als gedacht“, gibt Förster zu. „Mir fehlte doch Einiges. So wusste ich nur am Rande, was Tagesgeschäft eigentlich bedeutet. Ich lerne aber immer noch viel dazu. Der Kontakt zu anderen Mitarbeitern, die Abstimmung mit anderen Abteilungen, wie Produktion oder Einkauf, dies alles spielte während des Studiums und meiner Diplomarbeit keine Rolle, im Arbeitsalltag aber schon.“ Die lacktheoretische Dinge, die er im Studium gelernt hat, helfen ihm bei der täglichen Arbeit. „Aber an das Drumherum, die administrativen Aufgaben, die Betriebsabläufe, zum Beispiel wenn man Sachen fürs Labor bestellt, daran musste ich mich erst gewöhnen.“ Zudem trägt Förster die Verantwortung für zwei Mitarbeiter. Dazu musste er sich Führungsqualitäten erst einmal erarbeiten. Auch das war eine neue Erfahrung.

Kreatives Arbeiten öffnet den Horizont
„Zu Beginn war das Studium an der HS Esslingen recht einfach zu bewältigen, auch wenn man kein Überflieger in Sachen Chemie und Mathe ist“, erinnert sich Förster. „Mit Beginn des Hauptstudiums wurde ich dann allerdings richtig gefordert. Einen Aspekt möchte ich besonders hervorheben: Gerade zum Ende hin hat mit das Studium richtig Spaß gemacht. Da wurde es dann nämlich ziemlich speziell. Denn im Prinzip konnte sich jeder aussuchen, was er am liebsten machen wollte, bis hin zu ganz kreativen Dingen. Da habe ich mich richtig wohlgefühlt. So hatte ich bei einem Praktikum Abwassertechnik die Aufgabe, verschmutztes Wasser aufzubereiten und zu reinigen. Unser Professor hat uns aufgefordert, das Problem spielerisch zu lösen, unserer Kreativität freien Lauf zu lassen. Diese Art der Arbeit hat mir am meisten Spaß gemacht und mich ungeheuer motiviert, so dass ich schließlich eine interessante Lösung präsentieren konnte.“

Produkte, die man überall sieht
Förster konnte auf Vermittlung seines Professors hin schon seine Diplomarbeit in Bensheim schreiben. „Nach dem Bewerbungsgespräch ging alles ruckzuck über die Bühne“, erzählt Förster. Während der sechs Monate, in denen er an seiner Diplomarbeit schrieb, wurde man in Bensheim auf ihn aufmerksam und fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, weiter in dort zu arbeiten. „Das war natürlich ein ungeheurer Ansporn für mich“, erinnert sich Förster, auf dessen Schreibtisch verschiedene mattschwarz lackierte Metallteile zur Begutachtung liegen. „Das sind Musterteile für Zierblenden, Zierelemente und Dachrelings“, erläutert er. „Sie sind mit unseren Lacken beschichtet und kommen bei vielen Automarken zum Einsatz. Meine Aufgabe ist es, sie in Glanz und Farbton den Kundenwünschen anzupassen.“ Dafür muss Förster die Rezeptur des Lackes durch die richtige Wahl von Additiven, Füllstoffen, Bindemitteln oder Pigmenten so beeinflussen, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Zwei Chemielaboranten sowie ein Maler- und Lackierermeister unterstützen ihn bei diesen Aufgaben. 

Neue Wege entdecken
Daniel Förster hat mit der Stelle in Bensheim sein Ziel erst mal erreicht. Für jemanden, der wie er kreatives Arbeiten liebt, ist die Position eines Lackentwicklers direkt nach dem Studium genau das Richtige. Aber er hat auch einen Wunsch für die Zukunft: „Bis jetzt arbeite ich mit relativ bekannten Lacksystemen. Es wäre ein Traum, in unbekannte Themenbereiche vorzudringen und sich dort eine Spezialistenstellung zu erarbeiten. Es reizt mich, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen.“

zurück