Die Geschichte von Farben und Lacken

Farben und Lacke sind ein bedeutender Bestandteil unserer Kulturgeschichte und haben uns Menschen immer schon fasziniert. Sehr früh wurden Farben benutzt, um den eigenen Körper oder die Umgebung zu dekorieren und zu verschönern. Die ältesten Zeugnisse künstlerischer Aktivitäten wurde in Südfrankreich gefunden. Dort entdeckten Forscher an den Wänden von Höhlen Tierzeichnungen, die an die 30.000 Jahre alt sind.

Die früher benutzten Farben setzen sich aus tierischem Fett, gefärbter Erde und natürlichen Pigmenten wie Okker zusammen. Sie enthielten also die gleichen Basisbestandteile wie die Farben, die wir heute nutzen – ein Bindemittel, ein Farbträger und ein farbgebendes Pigment. Moderne Farben und Lacke sind technologisch natürlich viel weiter entwickelt. So konnten die Höhlenfarben zum Beispiel nur in den Höhlen benutzt werden, da sie nicht wasserfest waren.

 

Kalktünche und Schellack

Um 4.000 vor Christi Geburt wurden in Europa die ersten Farben zum Schutz und zur Dekoration von Behausungen genutzt. Zur Herstellung wurde Kalkstein zu Kalk gebrannt, mit Wasser vermischt und als Tünche auf die Wände der Tonhäuser aufgetragen.

Etwa zur gleichen Zeit waren die Menschen in Südost-Asien bereits in der Lage, Lacke herzustellen. So

beschichteten die Lackmeister des kaiserlichen Hofes in China kunstvoll gestaltete Gegenstände mit glänzenden und harten Lackierungen. Als Rohmaterial diente dabei der Milchsaft aus der Rinde des Lackbaumes. Wiederholt aufgetragen entstanden so absolut perfekte Beschichtungen. In Indien wurde aus dem Sekret der dort vorkommenden Schildlausart Lacca ilicis Schellack gewonnen, mit dem die Oberflächen von Gegenständen aus Holz veredelt und geschützt wurden.

Der deutsche Begriff „Lack“ zeugt von der Herkunft des Schellacks aus Indien. Er geht zurück auf das altindische Sanskrit-Wort „laksha“. Es bedeutet so viel wie „hunderttausend“ und bezieht sich auf die unvorstellbare Menge an Schildläusen, die für die Gewinnung des Schellacks benötigt wurden.

Lack-Boom durch die Industrialisierung

Im Mittelalter gelangte die Kunst der Lackherstellung schließlich nach Europa. Es dauerte aber noch bis zur industriellen Revolution, bevor Lacke zu einem industriellen Globalplayer wurden. Der technologische Fortschritt erschuf riesige neue Märkte für Farben und Lacke. Die Erfindung des Autos hat die Entwicklung neuer Lacke wesentlich vorangetrieben. Spritzpistolen ersetzten Pinsel, Trocknungszeiten und die Dauer einer Lackierung insgesamt verkürzten sich rapide. Damit waren die Grundlagen zur industriellen Seriennutzung gelegt.

Aus heutiger, umweltbewusster Sicht waren viele Lacke bis Mitte des letzten Jahrhunderts wegen ihres hohen Anteils an Lösemitteln und anderer Zusätze umwelt- und gesundheitsschädlich. Doch die Lackindustrie investierte viel Zeit und Geld in die Entwicklung neuer Lacke mit weniger Schadstoffen. Inzwischen stehen mit Wasserlacken und Pulverlacken Systeme zur Verfügung, die nur noch geringe Mengen oder gar keine Lösemittel mehr enthalten.

Moderne Alleskönner

Über die Jahrzehnte hinweg sind die Lackformulierungen immer komplexer geworden. Moderne Lacke erfüllen inzwischen zusätzlich zum Schutz und zur Veredelung der jeweiligen Untergründe zusätzliche Funktionen. Lacke und Farben spielen in unserer modernen Welt eine enorm wichtige Rolle. Nahezu sämtliche Gegenstände und Produkte, mit denen wir zu tun haben, sind beschichtet. Egal ob Haushalts-Gegenstände, Gebäude, Autos, Schiffe, Flugzeuge, Computer oder Mikrochips – ein Leben ohne Farben und Lacke wäre im wahrsten Sinne des Wortes farblos. Sie verlängern die Lebensdauer der beschichteten Gegenstände und helfen so, Ressourcen zu schonen.

Farben und Lacke begegnen uns heute in allen denkbaren Farben und verschönern unser Leben - so wie sie es schon vor 30.000 Jahren in den Höhlen Südfrankreichs getan haben.

zurück