Nachgefragt: Worauf Bewerber achten sollten

Worauf legen die Personalverantwortlichen in den Unternehmen der Lackindustrie bei Bewerbungsgesprächen besonderen Wert? Wie man mit Interesse und natürlichem Auftreten punkten kann.

Wir haben bei Karl Wieden nachgefragt, Personalreferent bei ICI Packaging Coatings GmbH und Mitglied des Arbeitskreises Fachtechnische Berufsbildung im Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie.

 

In welcher Atmosphäre findet ein Bewerbergespräch bei Ihnen statt?

In der Regel führe ich die Gespräche mit einer Bewerberin oder einem Bewerber allein. Ich halte nichts davon, sie in einer solchen Situation gleich mit der Anwesenheit mehrerer Personen zu konfrontieren. Das belastet und verunsichert sie nur zusätzlich. Die jungen Menschen sind in einer solchen Situation meist sehr aufgeregt. Deshalb versuche ich, ihnen die Nervosität durch eine entspannte Atmosphäre zu nehmen. Dadurch kommt schneller ein offenes und unverkrampftes Gespräch zu Stande und ich erfahre mehr über mein Gegenüber.

Wie wichtig ist das äußere Erscheinungsbild des potenziellen Auszubildenden für Sie?

Natürlich hängt das in gewisser Weise von dem Beruf ab, für den sich der junge Mensch bewirbt. Bei einem angehenden Mitarbeiter mit Kundenkontakt muss man sicher andere Maßstäbe anlegen als bei einem Mitarbeiter aus dem Produktionsbereich. Grundsätzlich vermittelt sich aber durch das äußere Erscheinungsbild der erste Eindruck. Und dieser Eindruck sollte positiv sein. Ich lege Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Das heißt nicht, dass die Bewerber im Anzug erscheinen müssen. Aber ich erwarte saubere „normale“ Kleidung.

Was sollten Bewerber unbedingt vermeiden?

Ich übertreibe jetzt, wenn ich sage, dass sie während des Gesprächs nicht die Füße auf den Tisch legen sollten. Das macht natürlich niemand. Aber ich erwarte, dass mir die Bewerber ebenso Respekt entgegenbringen wie ich den Jugendlichen als möglichen zukünftigen Mitarbeiter unseres Unternehmens. Dabei spielt unter anderem die Körperhaltung eine Rolle. Cool sein, im Sinne von desinteressiert rumhängen, ist in einer solchen Gesprächssituation sicher nicht angebracht.

Was sollten Bewerber auf jeden Fall wissen?

Sie sollten sich vorher eingehend über das Unternehmen und natürlich den Ausbildungsweg, den sie einschlagen wollen, informiert haben. Sie müssen aber nicht die Unternehmensgeschichte und die Umsatzzahlen bis ins Kleinste kennen. Aber sie sollten über die Produkte, die dort hergestellt werden, Bescheid wissen und auch, in welchen Branchen wir tätig sind

Auf welche Fragen sollte sich ein Bewerber einstellen?

Zu den wichtigsten Fragen, die ich auf jeden Fall stelle, gehören: Wie sind Sie auf den Beruf gekommen, für den Sie sich bewerben? Wie sehen Sie Ihre berufliche Zukunft? Wie sind Sie auf unser Unternehmen aufmerksam geworden? Warum bewerben Sie sich bei uns? Das sind keine Fragen, auf die man mit Ja oder Nein antworten kann. Hier müssen die Bewerberinnen und Bewerber aus sich herausgehen und ihre Kommunikationsfähigkeit unter Beweis stellen. Das ist im Übrigen eine ganz wichtige Eigenschaft, insbesondere für die Fähigkeit in Teams arbeiten zu können. Ich erlebe es leider immer wieder, dass Jugendliche entweder von ihren Eltern in einen bestimmten Beruf gedrängt werden oder sich auf einen Ausbildungsplatz bewerben, weil sie gerade keinen anderen gefunden haben. Und so finden sie sich plötzlich in einem Bewerbungsgespräch für einen Beruf wieder, der gar nicht ihren tatsächlichen Neigungen entspricht. Das wird dann bei den Antworten zu den eben genannten Fragen ganz deutlich.

Führen Sie auch Tests durch?

Bevor wir ein Gespräch führen, müssen die Bewerber einen Test absolvieren. Unter anderem fragen wir die Allgemeinbildung ab. Themen sind zum Beispiel Politik, Erdkunde, aber auch Mathematik und Deutsch. Chemiekenntnisse werden bewusst nicht abgefragt, da sie diese während ihrer Ausbildung vermittelt bekommen. Auch auf psychologische Tests wird verzichtet.

Was ist letztlich entscheidend für eine positive Beurteilung?

Natürlich ist eine Reihe von Faktoren für die Beurteilung ausschlaggebend, ob eine Bewerberin oder ein Bewerber für eine bestimmte Ausbildung geeignet ist und in unser Unternehmen passt. Einige davon sind ja bereits angesprochen. Als einen wichtigen Punkt möchte ich noch das Thema Zuverlässigkeit ansprechen. Sind auf dem Zeugnis des Bewerbers zahlreiche Fehlzeiten, Verspätungen oder Krankheiten verzeichnet, werde ich dazu sicher ein paar Fragen stellen. Denn Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit sind im Arbeitsleben für meine Kollegen und mich ganz entscheidende Faktoren. Darüber hinaus ist bei einer Entscheidung für einen Kandidaten immer auch Fingerspitzengefühl und ein wenig Mut gefragt. Denn wie ein junger Mensch sich tatsächlich im Berufsleben entwickelt, erfahren wir natürlich erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Weitere Informationen für eine perfekte Bewerbung und eine optimale Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch findest Du auf dieser Website unter http://www.lacklaborant.de/ausbildung/bewerbungstipps/

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