In einem Rutsch: Ausbildung und Studium

Die kooperative Ingenieursausbildung kombiniert die Lehre zum Lacklaboranten mit dem Lackingenieur-Studium. Bislang bietet die Hochschule Niederrhein in Krefeld diese besondere Form des Studiums neben dem Beruf an.

„Mit der kooperativen Ingenieursausbildung haben wir einen maßgeschneiderten Ausbildungsweg für die Lackindustrie, der sich zu einem Erfolgsmodell für die Branche entwickeln könnte“, erklärt Dr. Dietmar Eichstädt, Hauptgeschäftsführer des VdL. „Denn dieser vierjährige attraktive Studiengang an der Hochschule Niederrhein kombiniert die Ausbildung zum Lacklaboranten mit einem Studium zum Lackingenieur. Die Vorteile einer fundierten praktischen Lehre werden so verbunden mit den eher theoretischen Kenntnissen einer Hochschulausbildung. Wir wollen damit jungen, naturwissenschaftlich interessierten Menschen einen attraktiven Weg in das Berufsleben bieten, der den Mangel an Fachkräften beheben soll, unter dem rund die Hälfte der Unternehmen in der Lackindustrie seit Jahren leidet.“ Voraussetzung für die Teilnahme an einer kooperativen Ausbildung ist der Nachweis der allgemeinen Hochschulreife oder der Fachhochschulreife.

Sinnvolle Kombination von Praxis und Theorie

Diese Kombination bietet für Unternehmen und Auszubildende gleichermaßen eine Reihe von Vorteilen. Die Auszubildenden lernen während ihrer 2,5 Jahre dauernden fundierten Lehre die Abläufe im Unternehmen kennen und erlangen darüber hinaus während dieser Zeit an der Hochschule tiefgreifendere und umfassendere Kenntnisse als die „normalen“ Auszubildenden. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung haben sie die Gelegenheit, in anderthalb Jahren ihr Ingenieurstudium an der Hochschule Niederrhein mit dem Titel Bachelor of Engineering abzuschließen und können anschließend sofort für das Unternehmen tätig werden. Die Unternehmen übernehmen mit einem kooperativen Lackingenieur einen kompetenten Mitarbeiter, den sie vom ersten Tag an kennen und der genau weiß, worum es in diesem Unternehmen geht und was ihn erwartet: ein sicherer Arbeitsplatz und glänzende Perspektiven für die Zukunft. Noch ein Vorteil für die „Koops“: Mit der Berufsschule haben sie in diesem Ausbildungsweg nichts zu tun.

Engagement und Durchhaltevermögen sind gefragt

Allerdings verlangt die kooperative Ausbildung vom technischen Nachwuchs ein hohes Maß an Engagement und Eigenverantwortung. „Die Gleichzeitigkeit von Arbeit bzw. Ausbildung und Studium ist nicht mit links zu schaffen. Darüber muss sich jeder im Klaren sein, der diesen Ausbildungsweg anstrebt“, erläutert Christoph Maier, im VdL für das Thema Ausbildung in der Lackindustrie zuständig. „In den ersten beiden Jahren werden zwei Tage pro Woche an der Hochschule verbracht, drei Tage im Unternehmen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung werden die letzten anderthalb Jahre als Vollzeitstudium absolviert.“

Anforderungen an das Studium ändern sich

An der Hochschule Niederrhein in Krefeld ist die kooperative Ingenieursausbildung bereits erprobt. „Diesen Ausbildungsweg praktizieren wir in Krefeld bereits seit 1981 erfolgreich, allerdings nur für Chemieingenieure“, erklärt Professor Dr. Achim Eickmeier, Dekan des Fachbereichs Chemie der Hochschule Niederrhein. „Wenn wir jetzt mit den Unternehmen der Lackindustrie gemeinsam diesen Ausbildungsweg auch für Lackingenieure anbieten, so zeigt das, dass wir den zunehmenden Anforderungen der Unternehmen nach einer besseren Verzahnung von Praxis und Theorie Rechnung tragen und junge Menschen ausbilden wollen, die mit den konkreten Anforderungen im Arbeitsalltag der Industrie bestens zurecht kommen.“

Gestaltung der Ausbildungsverträge

Am Beginn der kooperativen Ausbildung steht ein Ausbildungsvertrag gemäß Tarifvertrag für 2,5 Jahre. Nach der erfolgreichen Abschlussprüfung schließen Unternehmen und Student gegebenenfalls einen Zusatzvertrag für den Rest des Studiums. Mit dem erfolgreichen Zertifikat eines Bachelor of Engineering nimmt der kooperative Lackingenieur dann seine Arbeit im Unternehmen auf. Es bleibt den Vertragspartnern überlassen, ob bereits im Zusatzvertrag für das Studium eine längerfristige Bindung an das Unternehmen vereinbart wird, oder ob der Student nach dem Abschluss die Möglichkeit hat, sich auch in anderen Unternehmen zu bewerben. Einige Unternehmen der Lackindustrie wollen bereits 2005 diesen Ausbildungsweg anbieten.

Kooperative Lackingenieurs-Ausbildung

1. Lehrjahr

1. Semester

  • Mathematik
  • Physik
  • Allgemeine Chemie
  • Datenverarbeitung

2. Semester

  • Mathematik
  • Physik
  • Anorganische Chemie
  • Organische Chemie


2. Lehrjahr

3. Semester

  • Analytische Chemie
  • Anorganische Chemie
  • Organische Chemie
  • Lacktechnologie

4. Semester

  • Physikalische Chemie
  • Datenverarbeitung
  • Technisches Englisch


3. Lehrjahr

5. Semester

  • Mathematik II
  • Physik II
  • Lacktechnologie: Applikationsverfahren / Bindemittel


Projektarbeit

Abschlussprüfung zum Lacklaboranten

Nun folgen drei Semester Vollzeitstudium bis zum Bachelor-Abschluss.

6. und 7. Semester

  • Anorganische Chemie II
  • Organische Chemie II
  • Physikalische Chemie II
  • Chemische Verfahrenstechnik
  • Chemische Technik
  • Instrumentelle Analytik
  • BWL, Management, Recht

8. Semester

  • Projekt
  • Abschlussarbeit in der Industrie


Abschluss: Bachelor of Engineering

Darüber hinaus besteht grundsätzlich die Möglichkeit, in einem Aufbaustudiengang den Master of Science zu erlangen.

 

Einheitliche Titel in Europa - Bachelor und Master

Im Zuge der europäischen Harmonisierung sollen die Studienabschlüsse in allen EU-Staaten vergleichbar sein. Aus diesem Grund haben die Bachelor- und Master-Abschlüsse die bislang vergebenen Diplom- und Magister-Abschlüsse vollständig ersetzt. Die Gründe dafür liegen in dem Bestreben, die einzelnen Studiengänge zu internationalisieren und die Abschlüsse international vergleichbar zu machen. Damit ist aber auch eine Neugestaltung der Ausbildungsziele verbunden: So können Studierende bereits nach drei bis vier Jahren mit einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss, dem "Bachelor", die Hochschule zu verlassen. Im Anschluss daran können sie in einem ein- bis zweijährigen Masterstudiengang das erste Studium vertiefen, interdisziplinär erweitern oder sich spezialisieren.

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