Azubis haben keine Angst vor der Digitalisierung

Wie werden sich die Arbeitswelten in der Lack- und Druckfarbenindustrie im Zuge der Digitalisierung unter dem Stichwort Industrie 4.0 verändern? Um über diese Frage zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, treffen 36 Azubis aus 12 Unternehmen der Lack- und Druckfarbenbranche am 7. März gegen Mittag in Dresden ein. Der VdL hatte die Auszubildenden zum Workshop „Colours of Future“, der alle zwei Jahre stattfindet, in die Sächsische Bildungsgesellschaft eingeladen. In den Genuss dieser exklusiven Veranstaltung kommen vor allem Azubis, die in ihren Unternehmen durch außerordentliches Engagement und überdurchschnittliche Leistungen aufgefallen sind.

Sie kommen aus großen, mittleren und kleineren Unternehmen aus ganz Deutschland. So unterschiedlich die Unternehmenswelten organisiert sind, in denen sie sich bewegen, so haben sie jedoch eines gemeinsam. Sie sind als so genannte Digital Natives mit dem Einsatz digitaler Medien im Alltag groß geworden. Doch wie bewerten Sie die zukünftigen Veränderungen in ihrer Arbeitsumgebung, von denen heute noch kaum jemand eine konkrete Vorstellung hat?

Azubis bereiten sich auf die Digitalisierung vor

Gerade deshalb sind die Mitglieder im Arbeitskreis Bildung des VdL gespannt darauf, welche Antworten der Branchennachwuchs auf diese Frage in Dresden finden wird, die die Zukunft der gesamten Lack- und Druckfarbenbranche verändern wird. Ob das Thema auch für die Azubis interessant ist? Patricia Hansmann, Auszubildende Lacklaborantin bei Mankiewicz in Hamburg, ist sich da ganz sicher: „Gerade wir Auszubildende müssen uns Gedanken über das Thema Digitalisierung machen. Denn unsere Generation wird die Auswirkungen dieser Entwicklung deutlich zu spüren bekommen. Deshalb ist es für uns besonders wichtig, dass wir uns frühzeitig darüber klar werden, wie mögliche Entwicklungen aussehen können und was das für unsere Arbeit bedeutet.“

Wie werden wir ein Team?

Die Workshop-Teilnehmer stellen sich als eine sehr bunte Mischung unterschiedlicher Persönlichkeiten heraus. Wie man aus so verschiedenen jungen Menschen schlagkräftige Teams formt, die gemeinsam eine Idee entwickeln sollen, wissen die erfahrenen Moderatoren von des Frankfurter Unternehmens response. Mit Hilfe eines psychologischen Fragebogens muss sich jeder Teilnehmer selbst einschätzen. Daraus ergibt sich, ob beispielsweise jemand eher Entscheider, Macher oder Teamarbeiter ist. „Die Teamrollenfindung und das anschließende Brainstorming in den Teams war sehr spannend“, erklärt Leon Reninger rückblickend, der bei Kaiser Lacke in Nürnberg zum Lacklaboranten ausgebildet wird. „Es hat sich gezeigt, wie wichtig unterschiedliche Teamrollen für das Funktionieren eines Teams sind. Ich selbst war erstaunt, wie sehr meine Rolle, die sich aus der Bearbeitung des Fragebogens ergeben hatte, tatsächlich meinem Verhalten entsprach.“ Eine Erfahrung, die für viele Teilnehmer neu ist und nur einen von vielen Lerneffekten darstellt, die sich im Laufe des Workshops ergeben werden.  

Inspiration durch Virtual Reality

Anschließend werden die Teilnehmer durch ein eigens vom VdL produzierten Video zum Thema Industrie 4.0 und einen Vortrag von Martin Zimmermann, Geschäftsführer der Imsimity GmbH, auf das Workshop-Thema eingestimmt. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Entwicklung von Mixed Reality Lernplattformen und hat neben Virtual Reality Brillen auch anderes technisches Gerät für digitales Lernen im Gepäck. Dies nutzen die Teilnehmer ausgiebig, um in Virtual Reality Umgebungen und 3D Simulationen einzutauchen. Für Enrico Castaldi ist dies ein Highlight der Veranstaltung. „Virtual Reality begeistert mich und interessiert mich auch in meiner Freizeit“, sagt der Chemikant, der bei Axalta in Wuppertal seine Ausbildung absolviert. Dann geht es an die Arbeit. Jedes der fünf Teams soll eine Idee entwickeln, die zu einem der drei vorgegebenen Begriffe „Führungskraft“, „Mitarbeiter“ und „Arbeitsplatz“ passt. „Das Brainstorming zur Ideenfindung war ziemlich anstrengend“, gibt Enrico zu. „Wir mussten uns im Team erst akklimatisieren und zusammenfinden und lernen, mit der Freiheit umzugehen, alle Gedanken und Ideen zuzulassen.“ Aber am Ende des ersten Tages kann jede Gruppe eine schlüssige Idee präsentieren, hinter der alle Teammitglieder stehen und deren Ausarbeitung interessante Ergebnisse erwarten lässt.

Austausch mit Experten

Den ganzen nächsten Tag arbeiten die Teams konzentriert weiter an der inhaltlichen Verfeinerung ihrer Ideen und der Umsetzung der entsprechenden Präsentationen. Hilfreich sind dabei vielfältige Materialien, von Legosteinen über Playmobil-Figuren bis hin zu bunten Pfeifenreinigern, die bereitstehen, damit die Teilnehmer Prototypen bauen und ihre Konzepte visualisieren können. Das sorgt mitunter für komödiantische Einlagen. Nebenbei wird auch das Expertenwissen der Mitglieder des AK Bildung angezapft, die ihre Einschätzungen mit den Azubis teilen und wertvolle Tipps geben.

Dinner digital in Dresden

Abends geht es zum gemeinsamen Abendessen in ein Restaurant in der Dresdner Innenstadt. Dort werden, passend zum Thema des Workshops, Getränke und Essen digital über iPads bestellt. Kurze Zeit später gleitet das Gewünschte per Schlitten über Achterbahnschienen direkt an die Tische. Bedienungen im eigentlichen Sinn gibt es hier nicht mehr. Nur ab und zu kommt jemand vorbei, um das Geschirr abzuräumen. Für die Azubis ein anschauliches Beispiel für die Auswirkungen der Digitalisierung in der Arbeitswelt.

Professionelle Präsentationen

An nächsten Morgen zeigt sich, wie erfolgreich die Teams gearbeitet haben. Jeder Teilnehmer ist gefordert, seinen Teil zur Präsentation seines Teams beizutragen. Und das gelingt. Spielerisch leicht, aber gleichzeitig intelligent und realitätsnah präsentieren die fünf Arbeitsgruppen ihre Ideen. Ob Rollenspiel, Video oder aufwändige Prozessdarstellungen am Flipchart, alle Teams haben eine Lösung gefunden und formulieren klare Vorstellungen, wie die Zukunft der digitalen Arbeitswelt für Führungskräfte, Mitarbeiter und die Gestaltung der Arbeitsplätze aussehen könnte.

Neue Anforderungen an die Berufsbilder

Zukünftig werden Berufsbilder stärker miteinander verschmelzen, ist sich eine Arbeitsgruppe sicher. Sie stellen eine IT-Academy vor, in der alle Mitarbeiter kontinuierlich ihre Fähigkeiten und ihr Wissen im technischen sowie im IT-Bereich erweitern, um immer auf der Höhe der Zeit zu sein. Auch auf Führungskräfte werden in Zukunft neue Anforderungen zukommen, weiß ein anderes Team. Sie stellen eine Software vor, mit der Führungskräfte ihre Mitarbeiter abteilungsübergreifend und interdisziplinär ganz flexibel je nach Aufgabenstellung und Bedarf zu neuen Teams zusammenstellen können. Eine weitere Gruppe präsentiert den Ultimator 9000, einen Roboter, der selbstständig alle Lackprüfungen zuverlässig und akkurat erledigt.

Keine Angst vor der Digitalisierung

Am Ende sind sich alle Teams sicher: Digitalisierung, Maschinen und Robotik werden den Menschen nicht ersetzen. Aber sie werden dabei helfen, verschiedene Arbeitsschritte schneller und effizienter zu erledigen. Die neuen Technologien werden zu mehr Flexibilität führen, eintönige Tätigkeiten der Vergangenheit angehören. Die Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter nach mehr Freizeit und einer besseren Work-Life-Balance werden in den Fokus rücken. Das sehen die Azubis vor allem als Chance. „Wir haben keine Angst vor der Digitalisierung“, erklärt Patrick Münz selbstbewusst. Der angehende Industriekaufmann bei Südwest Lacke in Böhl-Iggelheim stand dem Thema vor Beginn des Workshops noch skeptisch gegenüber. Im Laufe der Veranstaltung hat er jedoch seine Meinung geändert. „Wissen ist wichtig“, erklärt er. „Wenn wir uns mit zukünftigen Entwicklungen beschäftigen, lernen wir auch, wie wir damit umgehen müssen. Denn eines ist klar: Die Digitalisierung wird fast jedes Berufsbild über kurz oder lang verändern.“

Stolz auf den Branchennachwuchs

„Wir bieten mit unserem Workshop Colours of Future den Azubis eine Plattform, auf der sie sich intensiv mit Zukunftsthemen auseinandersetzen und vernetzen können“, erläutert Christoph Maier, im VdL für das Thema Bildung verantwortlich, das Ziel der Veranstaltung. „Es tut gut, zu sehen, dass die kommende Generation, die Schlüsselpositionen in den Unternehmen der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie besetzen wird, so engagiert und wissbegierig an wichtigen Zukunftsthemen arbeitet, die die Branche und damit ihre Arbeitswelt maßgeblich verändern werden.“

Nachwuchswerbung auf der Ideen-Expo 2019

Begeistert von den Ergebnissen des Workshops und den kreativen Leistungen der Auszubildenden arbeitet der VdL nun an einem Konzept für die Teilnahme an der Ideen-Expo in Hannover im kommenden Jahr. „Wir wollen die Chance nutzen, mit Hilfe unseres engagierten Nachwuchses junge Menschen dort für unsere Branche zu begeistern“, so Maier. „Denn es wird weiterhin eine der wichtigsten Aufgaben für den Verband und die Unternehmen der Lack- und Druckfarbenindustrie bleiben, junge Menschen für eine Ausbildung in unserer Branche, insbesondere in den naturwissenschaftlich-technischen Berufen, zu gewinnen. Nur dann werden wir weiterhin erfolgreich sein.“